Grafik

Herzlich Willkommen !

In diesem Blog finden ein paar meiner Ideen, Ansichten und Gedanken zu verschiedenen Themen, wie psychischen Störungen, Behandlungs-methoden, Modellen oder allegemeine Erlebnisse und Erfahrungen aus meinem Arbeitsbereich Platz.

Vielleicht ist ja das ein oder andere Interessante für Sie dabei.

viel Spaß beim Lesen
herzliche Grüße
Mona Kegel

Mein Haus mein Auto meine Jacht…

Ein Statement für die Menschenwürde

Was sind Sie wert? Auf die Frage, „Wer sind Sie?“ gibt es ziemlich viele Antwortmöglichkeiten, was würden Sie spontan antworten? Vielleicht nennen Sie ihren Beruf oder Ihnen fällt als erstes ein in welchen familiären Verhältnissen Sie leben, vielleicht nennen Sie auch eine Hand voller Eigenschaften die Sie ausmachen.

Es könnten positive Dinge sein oder auch eher Dinge die Ihnen gerade sehr zu schaffen machen. Jemand antwortet z.B. „Ich bin arbeitslos.“ Jemand anderes „Ich bin kreativ und lustig.“ Und eine dritte Person könnte sich als „glückliche Mutter zweier Kinder.“ Beschreiben. Die Antwort auf die Frage „Wer bist Du.“ Sagt also einiges darüber aus, womit wir uns selbst identifizieren und was uns wichtig ist. Was auch immer Sie auf diese Frage antworten, es beeinflusst, wie andere Sie wahr nehmen. Es beeinflusst aber auch, wie Sie sich wahr nehmen! Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir ein Selbstbild oder auch Selbstkonzept. Wir haben eine Idee davon, wer wir sind und wie wir zu Anderen und Anderem stehen und diese Idee beeinflusst dann zum einen unsere Selbstwahrnehmung, zum anderen auch unsere Wahrnehmung der Welt um uns herum. Wer also z.B. glaubt nicht „malen“ zu können und sich mit dieser Eigenschaft identifiziert betrachtet seine eigenen Werke kritischer als jemand, der sich z.B. als „intuitiver Künstler“ in einer kontinuierlichen Entwicklung sieht. Gelingt dem „Nichtmaler“ etwas nicht, dann führt er oder auch sie das auf die eigene Unfähigkeit zurück. Gelingt dem „intuitiven Künstler“ etwas nicht, so war es vielleicht „diesmal kein guter Tag „oder „die Technik muss noch verbessert werden“.

Beim Malen kann man natürlich relativ leicht Kriterien aufstellen um sich und andere ein zu ordnen. Trotzdem ist es so, dass jemand drei Striche auf eine Leinwand malt und das wird dann Kunst genannt und jemand anderes tut das gleiche und es ist allenfalls ein „netter Versuch“. Ich will in diesem Artikel nun nicht darüber schreiben, was Kunst ausmacht, vielmehr soll das oben genannte Beispiel ein Hinweis darauf sein, das unsere objektiven Kriterien über Können oder nicht Können, über Profis oder Laien weniger eindeutig sind als es uns zunächst erscheinen mag.

Und es ist dabei sehr wichtig, was wir selbst glauben und wie wir uns erzählen. Dies ist kein Plädoyer für ungehemmte Angeberei oder übersteigertes Selbstlob, ich möchte Ihnen lediglich die Frage stellen: „Wie erzählen Sie sich?“ Manches nämlich, was uns selbstverständlich und eigen erscheint hat sich im Laufe der Zeit verändert oder ist gar nie „wahr“ gewesen.

Eine Ruhige Person die in einem Umfeld aufgewachsen ist, dass ihr suggeriert hat zu still zu sein bezeichnet sich vielleicht eher als langweilig, weniger gesellig oder gar graue Maus. Manchmal auch „heimlich“ d.h. wir sagen das zwar nicht, aber wir empfinden es und befürchten, dass andere das so sehen und wir dann „irgendwie immer schlecht weg kommen“, dass wir also negativ bewertet werden. Da bleibt dann immer das schale Gefühl nicht so ganz in Ordnung zu sein oder irgendwie anders zu sein. In einem anderen Umfeld wäre diese Person vielleicht als bedacht oder gar weise erlebt und beschrieben worden und sie wäre stolz auf diese Eigenschaft gewesen. Natürlich würde sie sich dann auch ganz anders „erzählen“.

Zu dem „Wie erzählen Sie sich?“ kommt nun noch eine weitere Frage, nämlich die: „Wie bewerten Sie sich?“ Viele Menschen rechnen Ihren Wert aus, d.h. sie nehmen die Summe ihrer positiven Attribute, was sie haben, sind oder zu wem sie gehören und dann die Summe ihrer negativen Eigenschaften, rechnen beides gegeneinander auf und unten steht dann ihr persönlicher Wert. In einem Beispiel könnte das etwa so aussehen:

Ist fest angestellt, kann ganz passabel Klavier spielen, hat eine Eigentumswohnung, ist Ideenreich, gesellig und Vater einer erfolgreichen Tochter etc. –  auf der anderen Seite steht vielleicht ist unordentlich, impulsiv, verdient weniger als der Freundeskreis, ist geschieden, ist übergewichtig und beruflich seit 20 Jahren nicht aufgestiegen. Vielleicht bemerken Sie beim Lesen schon, welche inneren Bilder solche Beschreibungen erzeugen…

Nun wird abgerechnet – je nachdem, wie die Person die einzelnen Punkte selbst bewertet kommt am Ende ein positives oder ein negatives Ergebnis zustande. Bitte bedenken Sie, dass die Worte an sich oft schon eine Wertung haben. Also Ordnung beispielsweise ist ein weit fassbarer Begriff, der sich zwischen „ich weiß wo es liegt“ bis „alle Bleistifte liegen Parallel und im rechten Winkel zur Tischkannte“ reicht.

Im Grundgesetz wird zwar jedem Menschen ein unantastbarer Wert, ob seiner bloßen Existenz zugeschrieben, aber wie weit trifft dies eigentlich die Vorstellung der Menschen selbst?

Wenn wir annehmen, das dies so wäre und dazu möchte ich Sie ausdrücklich einladen, dann wäre es auch sinnvoll das innere Ranking ab und an einmal zu überdenken. Dann würde es sich auch lohnen ab und zu mal zu überlegen, ob das, was ich von mir erzähle überhaupt zu mir passt und ob einem nicht die ein oder andere Korrektur gut tun würde.

Dann würde man vielleicht unabhängiger von Statussymbolen, seien sie nun materiell oder immateriell und hätte mehr Zeit sich um die Dinge zu kümmern, die einen zufrieden oder glücklich machen.

Da ließe sich die Jacht gleich ganz anders erleben und der dumme Spruch vom Kollegen würde einen nicht mehr bis ins Mark treffen können.

 

In diesem Sinne- seien Sie sich ihres Wertes bewusst.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.