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Herzlich Willkommen !

In diesem Blog finden ein paar meiner Ideen, Ansichten und Gedanken zu verschiedenen Themen, wie psychischen Störungen, Behandlungs-methoden, Modellen oder allegemeine Erlebnisse und Erfahrungen aus meinem Arbeitsbereich Platz.

Vielleicht ist ja das ein oder andere Interessante für Sie dabei.

viel Spaß beim Lesen
herzliche Grüße
Mona Kegel

Flensburger Schwerhörigenverein berät bei Problemen

Durch einen Kurs habe ich vor etwa zwei Jahren Karin Pfeiffer kennen gelernt. Sie arbeitet ehrenamtlich für den Schwerhörigenverein Flensburg, der sich um die Belange der Schwerhörigen und ertaubten sowie CI Träger kümmert. Ich selbst habe durch sie viel Neues Erfahren und empfinde es immer wieder als Bereicherung die Welt auch mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. An dieser Stelle habe ich einmal ein Interview mit ihr geführt um sie und ihre Arbeit ein bisschen vorzustellen.

Karin, Du bist in einem Verein für Menschen die Schwerhörig sind, magst Du ein bisschen was über diesen Verein erzählen?

Ich bin ehrenamtlich tätig, weil ich auch selbst betroffen bin. Ich bin von Kind auf an Taubheit grenzend schwerhörig und ich versuche neue Wege aufzuzeigen wie man am besten mit einer Hörschädigung umgehen kann. Dazu gehört der Umgang mit Hörgeräten und welche Möglichkeiten es sonst noch für Menschen mit Hörschädigung gibt. Es geht zum Beispiel auch oft darum, wie man ohne teure Zuzahlungen davon kommen kann. Im Verein gibt es eine Gemeinschaft, wir tauschen Erfahrungen aus und wir unternehmen Ausflüge zusammen. Wir versuchen uns ein Programm zusammen zu stellen bei dem für alle was dabei ist.

Also Ihr beratet auch bei Fragen, die die Kostenübernahme von Krankenkassen und Arztbesuche angehen?

Ja ich versuche Wege aufzuzeigen wie man am besten verfahren kann z.B. den allgemeinen Ablauf zu erklären: Erst einmal zum HNO Arzt, dann zum Akustiker, danach sollte man am besten alles aufschreiben, eine Art Tagebuch darüber führen, wie es mit dem Hörgerät geht. Es kann zum Beispiel sein, das das Hörgerät gut ist, es aber von der Technik her Schwierigkeiten gibt. Oder es ist mal zu laut, dann wieder zu leise, es rauscht oder es ist verzerrt. Da können wir dann versuchen, heraus zu finden wie es für die Betroffenen am besten ist.  Wir versuchen Wege aufzuzeigen um den Betroffenen eine optimale Versorgung zu ermöglichen. Es ist zunächst einmal eine Vorraussetzung, ein Zuzahlungsfreies Gerät auszuwählen. Dann muss man schauen, ob das Gerät auch für die Person geeignet ist.  Wenn ich ein etwas teureres Hörgerät nehmen möchte muss ich begründen können warum das zuzahlungsfreie Hörgerät vielleicht nicht ausreicht. Da ist es wichtig die Unterschiede heraus zu finden und zu wissen, mit welchem Gerät man am besten klar kommt. Ich als Hörgeschädigte muss sagen können, was ich brauche. Ich muss prüfen, ob ich im Lärm verstehen kann, ob ich im Ruhigen verstehen kann, kann ich den Fernseher verstehen oder kann ich telefonieren, da kommt vieles Zusammen.

Ok, und wenn ich jetzt so eine Beratung möchte, wie erreich ich Dich dann?

Also ich habe jeden Mittwoch von 9.00 -11.30 Uhr und jeden zweiten Montag von 16.00 -18.00 Uhr eine Sprechstunde im St. Franziskushospital, im Blauen Saal. Per E-Mail bin ich über Pfeiffer-Flensburg@t-online.de und Telefonisch über Tel / Fax : 0461 / 27610 Zu erreichen. Jeder ist willkommen egal, ob jung oder alt.

Also Du kannst telefonieren, obwohl Du ertaubt bist, wie geht das denn?

Ja, seit etwa 8 Jahren, mit dem Cochlea Implantat, da habe ich es neu gelernt, vorher, mit den Hörgeräten war es mir nicht möglich zu verstehen. Ich kann telefonieren wenn der Andere langsam und deutlich spricht und ich weiß mich darauf einzustellen. Wenn aber die Stimme etwas verzerrt ist und der Klang nicht so optimal ist, dann hab ich auch Schwierigkeiten. Und ich kann manchmal auch nicht länger als 5 – 10 Minuten, das ist meine Grenze. Es kommt darauf an, wie der Gesprächspartner ist. Kann ich ihn gut empfangen dann kann ich das auch länger telefonieren. Ist aber der Gesprächspartner undeutlich und die Tonlage nicht optimal, dann wird es schwierig. Außerdem muss ich erstmal herausfinden mit wem ich überhaupt spreche und was er von mir möchte, dass muss ich ja auch erstmal verstehen. Es kann manchmal sein, dass ich den Anfang gar nicht verstanden habe und schon mittendrin bin. Wenn ich nicht verstanden habe worum es geht muss ich oft nachfragen. Also die Vorraussetzungen sind Tonlage, gute Aussprache und das ich das Thema kenne um das es geht.

Aber dann ist gehörlos anscheinend ja nicht das gleiche wie taub, denn Du kannst ja irgendwie hören…?

Ich bin zwar ertaubt, aber ich war von Kindheit an schon an Taubheit grenzend schwerhörig gewesen, so dass ich auch die Lautsprache schon von früher etwas entwickelt hatte. Ich hatte also etwas Spracherwerb. Und die Technik der Hörgeräte hat sich ja immer weiter entwickelt, so dass ich immer Impulse empfangen habe. Gleichzeitig habe ich von den Lippen abgelesen und so gelernt zu kombinieren, wie sich die Sprache zusammen setzt. Gehörlos sind Menschen, die von Geburt an fast Taub sind, man hat früher taubstumm gesagt, aber das stimmt heute nicht mehr so ganz, weil man, wenn man eine Förderung bekommt, auch sprechen lernen kann obwohl man nicht hört. Taubstumme sind damals ganz anders aufgewachsen als heute. Anders ist es bei Schwerhörigen: Schwerhörige haben irgendwann einmal im laufe ihres Lebens, das Gehör langsam verloren, die Haarnervzellen sind im Laufe des Lebens langsam abgestorben und die können sich dann nie wieder aufbauen, die sind praktisch tot.

Die Technik versucht nur Impulse weiter zu geben um den Hörnerv zu reizen, die das Gehirn dann zu verarbeiten lernt. Also das Hörgerät ist praktisch eine Verstärkung, die die Schallwellen ins Innenohr leitet und verstärkter zum Hörnerv weiter leitet. Anders ist es beim CI (Cochlea Implantat). Das CI ist eine operative Hörprothese bei der ein Kabel in die Gehörschnecke eingeführt wird. Die Elektroden in diesem Kabel simulieren dann den normalen Reiz und schaffen dadurch ein künstliches Hörvermögen. Das ist ein größerer Unterschied als mit dem Hörgerät.

Ohne Technik bin ich taub, dann muss ich Gebärden nehmen. Ich hör dann den ganzen Lärm um mich herum zwar nicht mehr, aber ich muss dann eben auch von den Lippen ablesen, dazu muss ich den anderen die ganze Zeit genau angucken und dann wird es sehr anstrengend.

O.k., Hörst Du Deine eigene Stimme?

Ja, meine eigene Stimme höre ich, ich fühle meine Stimme eigentlich als ganz angenehm. Sie ist ein bisschen unterschiedlich, je nachdem wie sie eingestellt ist. Aber ich weiß, ich hab eine helle bis mittlere Tiefe, also sie ist nicht ganz hoch, sie ist auch nicht ganz tief und ich hab auch von der Aussprache her eine ganz gute Stimme so, dass man mich ganz gut versteht. Aber das hängt auch damit zusammen, dass ich damals von Kind auf schon gut gesprochen habe.  Also der Unterschied, zu anderen Menschen, die man manchmal nicht so gut versteht liegt darin, das diese Menschen es nicht so wie ich gelernt haben. Sie haben manchmal auch eine ganz andere Stimmlage die sie fast nicht kontrollieren können.

Also Du hast es von klein auf das Sprechen gelernt, und da eine gute
Förderung bekommen?

ja .Meine Eltern und meine Schwester haben mich immer dabei Unterstützt, ich war auf einer Regelschule ,also keine hörgeschädigten Schule was nicht immer einfach für mich war.

OK, und könntest Du ohne das CI Deine Stimme hören?

Ohne CI höre ich meine Stimme nicht mehr, auch nicht mit Hörgerät.

Und seit wann hast Du das CI?

Das CI habe ich seit 2006, im November.

Und davor Hörgeräte?

Davor habe ich auf beiden Seiten Hörgeräte getragen, mit voller Power, was manchmal sehr schmerzhaft war. Damals hatte ich dann auch eine ganz laute Aussprache. Ich hab zwar schon immer gut gesprochen, aber die Sprache hat sich erst mit dem CI verändert, sie ist viel klarer flüssiger und auch deutlicher geworden. Vorher hab ich meist immer abgehackt gesprochen, weil ich es auch nie gehört habe jetzt habe ich die Möglichkeit mehr zu hören und besser zu kontrollieren, also das ist der Vorteil von einem Cochlea Implantat.

Weißt Du, wie viele Menschen in Deutschland so ein Cochlea -Implantat haben?

Ich schätze mal es sind so zwischen 3-6000 oder auch schon 10 000 Menschen die sich im lauf der Jahre implantiert haben lassen, also der Sprung ist in den letzten 10 Jahren nach vorne gegangen Ich verfolge die Entwicklung seit 1987. Seitdem hat die Forschung sehr viele Erfolge voran getrieben und jetzt in den heutigen Trends sind immer mehr Menschen darauf sich ein Cochlea einsetzten zu lassen. Wenn ich hören will und diese eine Möglichkeit habe, da habe ich im Prinzip nix mehr zu verlieren dann kann ich eigentlich nur noch gewinnen, aber ich darf meine Erwartungen nicht so hoch stellen und es wird immer ein Lernprozess bleiben. Bei einem klappt es gut und bei dem anderen dauert es eben viel viel länger.

Das heißt würdest Du jedem der Schwerhörig wird also älteren Menschen z.B. empfehlen sich statt einem Hörgerät sich so ein Cochlea implantieren zu lassen?

Das kommt darauf an, wie weit die Hörkurve fortgeschritten ist und wie weit das Sprachverstehen ist. Wenn ich an Taubheit grenzend schwerhörig bin und mit einem Hörgerät nicht mehr zurecht kommen, dann spielt das Alter keine Rolle, denn wenn ich hören will, dann ist das CI die einzige Möglichkeit. Aber das muss ich für mich selbst entscheiden, weil es ja eine Operation ist und eine Operation ist immer ein Risiko. Man muss also schauen, was es einem bringt.

Aber ich könnte dann zu Dir in die Beratung kommen und wir würden dann darüber Sprechen und ich könnte auch mit einem Angehörigen zu Dir kommen und wir würden dann über die verschiedenen Möglichkeiten miteinander sprechen?

Ja.

O.k., Dankeschön, für das Gespräch.

Website des Flensburger Schwerhörigenvereins

 

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