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Herzlich Willkommen !

In diesem Blog finden ein paar meiner Ideen, Ansichten und Gedanken zu verschiedenen Themen, wie psychischen Störungen, Behandlungs-methoden, Modellen oder allegemeine Erlebnisse und Erfahrungen aus meinem Arbeitsbereich Platz.

Vielleicht ist ja das ein oder andere Interessante für Sie dabei.

viel Spaß beim Lesen
herzliche Grüße
Mona Kegel

Embodyment

Was bitte ist das denn?

Der Begriff bedeutet  sowas wie “Verkörperung” und es geht um den Zusammenhang von Körper und Psyche.
Dahinter verbirgt sich die ein oder andere Erkenntnis, die grob zusammen gefasst aussagt, dass Körper und Seele oder Psyche zusammen hängen.  Eigentlich eine Binsenweisheit oder?
Wir wissen alle, dass  man vor Angst Bauchschmerzen bekommen kann, dass  zu viel Stress einen Herzinfarkt auslöst und dass man sich bei Grippe schwach und fühlt.
Und dennoch haben viele Menschen Vorstellungen, die ganz klar eine Grenze ziehen zwischen Körper und Seele. Also man hat doch lieber eine “richtige”, messbare, also körperliche Krankheit als “einen an der Marmel”.  Manchmal scheint es da auch eine Wertigkeit zu gebe körperliche Krankheiten sind irgendwie besser als seelische.


Wie kommt das?
Es gab mal einen Mann, der hieß René Descartes, er war Philosoph und hat behauptet, dass der Körper und der Geist einen Dualismus bilden. Er trennte also zwischen Körper und Geist. Descartes starb 1650, seine Idee lebt aber heute noch.
Ob die Idee, dass es eine Seele, einen Geist gibt, der den Körper bewegt oder bestimmt, wie sie heute oft geäußert wird genau so von ihm gemeint war weiß ich nicht, aber sie ist sicherlich  u.a. auf ihn zurück zu führen.
Auch weiß ich nicht genau, wie er darauf gekommen ist, aber ich finde es schon sehr bemerkenswert, wie lange sich eine solche Idee gehalten hat.
Daraus folgt heute, dass es Ärzte für die Seele, also die Psyche gibt und andere Ärzte für den Körper. Genauer gesagt gibt es neben den Ärzten für die Psyche, die Psychiater auch noch Psychotherapeuten, die vielleicht gar nicht Medizin, sondern Psychologie studiert haben. Der Hausarzt hat also in der Regel wenig Ahnung von seelischen Krankheiten und erkennt sie auch nicht ohne Weiteres umgekehrt genauso! Wenn der “normale” Arzt nichts findet, dann schickt er den Patienten zum Seelenklempner, nach dem Motto “sie haben nix”. Was nicht wirklich zum besseren Image der seelischen Störungen beiträgt ;-).
Viele Menschen betrachten den Körper eher als ein Maschinchen bei dem ab und an mal was kaputt geht, was man dann eben repariert. Ähnlich ist es mit der Seele, da soll die Schraube fest gezogen werden, die sich gelockert hat.

Zurück zum Embodyment.
Versuchen Sie einmal die Mundwinken nach unten zu ziehen, den Blick zu senken und die Schultern hängen zu lassen und sich jetzt gut und energiegeladen zu fühlen. Das funktioniert nicht! Der Körper und der Geist hängen nämlich zusammen.
Nun gut, man könnte nun ja auch sagen, das habe ich ja “gemacht”, ich habe meinem Körper gesagt, er soll die Mundwinkel hängen lassen etc.  Demnach stünde der Geist also über dem Körper.
So ist es aber auch nicht. Eine körperliche Krankheit, wie z.B. ein Herzinfarkt kann auch eine Depression auslösen und beim Broken-Heard Syndrom hat jemand quasi einen Herzinfarkt ohne den sonst typischen körperlichen Befund.  Eine einfache Fehlfunktion der Schilddrüse kann einen Menschen in seinem Fühlen und Denken komplett verändern. Plötzlich ist man ständig gereizt oder müde und man weiß gar nicht wie das kommt. Ganz zu schweigen von den Persönlichkeitsveränderungen die eine Demenz auslöst. Viele Menschen haben Schmerzen und es ist körperlich nichts zu finden.  Ständige Schmerzen durch körperliche Defekte können einen Menschen in eine seelische Krise stürzen.  Simuliert man nun, wenn man keinen körperlichen Befund hat?
Nein, denn es macht einen Unterschied, ob man quasi absichtlich so tut, als ob man Schmerzen hat oder ob man sie tatsächlich empfindet.  Das Leid ist sogar noch größer, wenn man keinen körperlichen Defekt hat, weil eben diese Frage des “sich nur anstellens” im Raum steht.  Seelische Störungen sind schwerer Greifbar und sie lösen eher eine Angst vor Kontrollverlust aus. Wir identifizieren unsere Persönlichkeit eher mit dem Geist als mit unserem Körper. Deswegen ist es auch bedrohlicher “verrückt” zu werden, als im Rollstuhl zu landen.

Embodyment meint die gegenseitige Beeinflussung  und Bedingung von Körper und Seele. Etwas übers Knie gebrochen gesagt: “Wer die Mundwinkel nach oben zieht und sich aufrichtet bekommt bessere Laune”. Wir haben nicht nur einen Körper, wir sind auch Körper. Wir sollten unseren Körper nicht als Funktionshülle ansehen, denn das ist er nicht. Über unsere Sinnesorgane nehmen wir die Welt überhaupt erst wahr und diese Sinnesorgane bestimmen auch, wie wir die Welt wahr nehmen bzw. was wir von ihr wahr nehmen. Unser inneres Bild von der Welt wiederum beeinflusst unsere Körperwahrnehmung zurück.  Das beginnt mit der Körperhaltung, die unsere innere Haltung wiederspiegelt UND beeinflusst und endet vielleicht mit der Ernährung. Der Satz “Du bist, was Du isst” ist vielleicht wahrer als manche hoffen.
Für die Psychotherapie bedeutet dies, dass  “nur” reden oft weniger gut ist, als auch etwas oder sich bewegen, dass etwas auf den Körper gerichtetes, wie Massage, auch die Seele entspannen kann und dass der Körper bzw. körperliche Befindlichkeiten immer mit einbezogen werden sollten, wenn man den ganzen Menschen behandeln möchte.
Für die körperliche Therapie gilt im Umkehrschluss natürlich genau das Gleiche. Man sollte also nicht nur das gebrochene Bein behandeln, sondern auch die seelische Beeinträchtigung, die z.B. durch einen Unfall verursacht wurde.
Besonders deutlich wird dies bei Krebserkrankungen, der Tumor wurde zwar aus dem Körper entfernt, aber auch, wenn es keine Krebszellen mehr im Körper gibt, ist der Mensch oft nicht gesund wenn die Seele unbehandelt bleibt.
Die Seele kann dem Körper beim Heilen helfen und umgekehrt.
Für Sie und mich bedeutet das mit dem Körper zu leben und nicht gegen ihn, körperliche Wahrnehmungen wahr und als Hinweise ernst zu nehmen – sie sind gleichsam nämlich auch Hinweise der Seele, wie gesagt, das kann man nicht trennen.
Wenn Sie z.B. Angst haben, woran erkennen Sie das dann? Durch ihren Körper bzw. in ihrem Körper. Wir sagen ja auch, dass wir “angespannt” sind oder “Bauchschmerzen” haben, das etwas uns “den Atem raubt” oder “an die Nieren” geht.
Zum Schluss vielleicht noch etwas zum Thema “mentales Training”: Die Seele hängt so unmittelbar mit dem Körper zusammen, dass wir ihn über Imagination, also bloße Vorstellung verändern können. Da gibt es erstaunliche Berichte über physiologische Heilung durch bloße Autosuggestion oder etwas wie Meditation. Vorraussetzung ist dabei, dass wir neu lernen Körper und Seele als Einheit an und wahr zu nehmen und, dass wir unsere Sinne neu schärfen.

Also, in diesem Sinne – da geht noch was ;-)

 

 

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